Mittwoch, 14. Januar 2009

Costa Atlantica die Zweite

Bevor ich weiter von unserer Reise berichte, ein paar aktuelle Informationen:

Nach langem Suchen und Leute fragen, haben wir nun endlich ein Haus gefunden, in das wir zum ersten Februar umziehen! Ausser Lara und Larissa wird auch noch Valesca aus Belgien mit einziehen. Das Haus ist einfach perfekt fuer uns: grosses Wohnzimmer, gemuetliche Kueche, 4 Zimmer, zwei kleine Baeder, Hinterhof und grosser Garten mit Palme und anderen Baeumen. Ausserdem ist es direkt bei meiner Arbeit um die Ecke und direkt gegenueber von dem Hauses eines Freundes mit dem ich oft Musik mache. Die anderen drei haben es auch nicht weit zur Arbeit und wir sind nah am Markt.

Zweite Info: An alle Weihnachtsspender: Seit Montag Abend sind die beiden anderen Freiwilligen hier und ich fleissig dabei um das Malworkshopgebaeude einen Garten anzulegen. Gleich wird noch der letzte Sack Erde gekauft und der Mangobaum eingepflanzt. Damit ist das gesammelte Geld aber noch laengst nicht ausgegeben, sodass ihr damit wohl noch ein Mosaik mitfinanzieren koennt, dass wir dieses Jahr auf die Frontseite des Gebaeudes machen wollen.
Natuerlich habe ich unsere Gartenarbeit mit Fotos dokumentiert. Bald gibt´s was zu sehn.
Nun erzaehle ich aber mal weiter von unserer Reise.
Nach dem wunderschoenen ersten Tag in Pearl Lagoon ruhten wir uns ein bisschen aus, um dann frisch und munter unser Silvesteressen geniessen zu gehen. Bei leckeren einheimischen Meeresfruechten und einem improvisierten Piña Colada rutschten wir so zu dritt in 2009 hinein.
Lara entschied sich nach zwoelf fuers Bett und Adriana und ich ich fuer die Tanzflaeche.
Unterm Palmendach auf festgetretener Erde liess es sich entspannt zu gutem Reggae tanzen.

Am naechsten Morgen machte ich mich auf zum oertlichen Baecker und erstand dort wie am Vortag lecker duftendes, warmes Kokusbrot... dazu ein guter Kaffe und der Tag konnte beginnen!
Auf zu einem anderem Dorf, einem anderem Strand und noch meer baden.
Am Abend motivierte uns der Sohn der Pensionsbesitzerin dazu tanzen zu gehen.
Wir bekamen noch zwei seiner Freunde vorgestellt und wurden am Ende des Abends fuer den kommenden Tag zum rondon-Essen eingeladen.
Hinter diesem Namen versteckt sich ein unbeschreiblich leckeres tradtionelles Gericht der Region. Eine Art Suppe aus Fisch, Shrimps, Yuca, Platano (Kochbanane) und Kokusmilch, mhhh!!!
Mit vollem Bauch machten wir uns wieder auf zu dem Strand vom ersten Tag, wo wir den Tag diesmal auf der ins Wasser gebauten Holzplatform eines Restaurants verbrachten.
Baden unterm Sternenhimmel im Mondschein, was gibt es Schoeneres?
Am Samstag Morgen verabschiedeten und von der wunderschoenen Lagune und machten uns mit der panga wieder auf Richtung Bluefields.
Hier noch ein Abschiedsbild von Pearl Lagoon im Sonnenuntergang:

Eigentlich wollten wir am kommenden Tag noch einen Tagesausflug machen, doch gab es mal wieder keine Bootverbindung, sodass wir einen Bekannten anriefen, der uns ein bisschen die Stadt zeigte. Am Montag sollte es dann aber endlich nach Corn Island gehen, doch das war einfacher gesagt als getan.
Am Sonntag Nachmittag konnte sich weder die Hafenwache noch die Leute vom Bootsunternehmen daran erinnern, dass sie uns vor Silvester versichert hatten, am Montag den 5. Januar fuehre das naechste Schiff nach Corn Island.
Vielleicht gaebe es aber eins, wir sollten Montag Morgen um 6 Uhr nochmal nachfragen.
Also quaelte ich mich am Montag Morgen frueh aus dem Bett und ging zum Hafen.
Die erste Auskunft, ja es gibt ein Schiff, dass euch mitnehmen kann. Gut. Nur wo es angelegt hatte konnte die Hafenwache natuerlich nicht herausfinden. Also ging ich zum anderen Hafen "ganz in der Naehe" (halbe Stunde latschen) gucken, wo wieder jemanden jemanden anders fragen musste. Das Schiff war natuerlich nicht da ... "Sie koennten mal dort gucken"
... also wieder zum anderen Hafen, da war es auch nicht, also zu noch einem anderen Hafen...
Nach 1,5 Stunden herumrennen fand ich endlich das Schiff und seinen Kapitaen.
Alles kein Problem sagte er, seid einfach um 10 Uhr am Dock, dann hole ich euch ab.
In der prallen Sonnen verbrachten wir dann fuenf wunderbare Stunden wieder einmal mit w a r t e n ...
Zunaechst schien unsere Ueberfahrt noch ganz rosig zu werden, ruhige Fahrt im Sonnenuntergang auf dem Fluss bis El Bluff, dem Industriehafen.
Unser Schiff sah allerdings nicht so vertauenerregend aus.
Kaum waren wir jedoch auf dem offenen Meer, konnte man sich wegen des starken Seegangs kaum auf den Beinen halten. Dann fing es auch noch an zu regnen und Adriana an zu kotzen.
Ganze zehn Stunden verbrachten wir so, bis wir Corn Island endlich um ein Uhr nachts erreichten.
Wir waren erleichtert endlich das Schiff verlassen zu koennen, doch nix da! Wir mussten bis 6.30 Uhr warten bis der Hafen oeffnete und wir uns in eine Liste eintragen konnten.
Mit den Nerven und dem Magen am Ende kamen wir dann gegen acht in einem netten Hotel an.
Ich erklundete nach dem Fruehstueck den Strand und das Baden im Meer machte die schreckliche Ueberfahrt schon fast wieder wett.
Der Blick von unserem Hotel:
Adriana erholte sich leider nicht so schnell von der Ueberfahrt und blieb die naechsten beiden Tagen im Bett, die Arme!
Lara und ich erkundeten derweil die Insel per Fahrrad und gingen Schnorcheln.
Ach, ich vermisse schon das morgendliche Baden im Meer.
Hoffentlich bald folgt Teil drei meines Reiseberichts, bis dahin,
eure Lena

Sonntag, 11. Januar 2009

Auf ins Ungewisse

Nach einem netten Weihnachtsfest, dem einfach die Kaelte, der Schnee und die Familie fehlte, machte ich mich mit Larissa Yelena Baeumer und Adrianna Mercedes Reyes Flores (um einmal die vollstaendigen Namen zu nennen und Verwirrung vorzubeugen) ein paar Tage spaeter als geplant am 29.12.2008 auf an die Costa Atlantica Nicaraguas.

Um ein bisschen zu sparen, entschieden wir uns fdas erste Stueck zu trampen und wurden nach ganzen fuenf Minuten Daumen-raushalten auch schon von einem netten Truckfahrer aufgelesen. Adrianna und ich auf dem Bett schlafend und Lara auf dem Beifahrersitz mit Superblick, fuhren wir so, weitaus bequemer als im ueberfuellten Bus bis kurz vor die Hauptstadt .
Eine knappe Stunden nach dem Verlassen des Trucks fanden wir uns an einem der geschaeftigen Busbahnhoefen Managuas wieder, kauften Tickets fuer den Bus nach Rama, der letzten per Landweg erreichbaren Stadt der RAAS (autonome Atlantikregion des Suedens) und warteten das erste Mal auf dieser Reise.
Aufgrund des schlecht ausgebauten Verkehrsnetzes, der schlechten Koordination und Organisation des Schiffverkehrs und die endlose Geduld der Nicaraguaner sollte dies eine grundlegende Beschaeftigung auf dieser Reise werden.

Nach vier Stunden Fahrt kamen wir um zwei Uhr morgens in Rama an. Die naechste panga, so heissen die mit Aussenborder betriebenen Holzboote, fuhr erst um 6.30 Uhr, sodass wir noch ein bisschen warten konnten. Auf den Bussitzen konnten wir noch ein bisschen doesen.
Morgens am Kai war ganz schoen etwas los und wir bangten ein bisschen darum, vielleicht nicht mehr mitgenommen zu werden. Das man bereits ein Ticket gekauft hat, heisst naemlich noch lange nicht, dass man auch mitfaehrt. Wenn das Boot voll ist, dann ist es voll.
Unser Boot war voll, aber zum Glueck mit uns. Als auch der letzte Koffer und die letzte Kiste aller Passagiere verstaut war, guckte das Boot vielleicht noch 20 Centimeter aus dem Wasser, aber es fuhr.





Naja, es wurden ja sogar Schwimmwesten verteilt (viele Nicaraguaner die nicht am Meer, See oder Fluss wohnen koennen nicht schwimmen) und so konnte man zumindest beruhigt sein, im Falle des Kenterns bis zum Flussufer zu kommen.

Die Fahrt war dann trotz Enge ganz schoen, bei dem vielen Regenwald zu beiden Flussseiten , der zwischendurch durch ein paar palmenblaetterbedeckte Huetten unterbrochen wurde, kamen bei mir schon Amazonas-Gefuehle auf. Nur die Krokodile fehlten.
Nach zwei Stunden rasanter Fahrt erreichten wir Blufields, die Hauptstadt der RAAS.
Regen, Fischgestank und Muell bereiteten uns nicht gerade einen herzlichen Empfang, aber nach ein paar Stunden Schlaf im Hotel, einem deftigen Fruehstueck und einem Stadtrundgang, sah alles schon wieder anders aus.
Wir fanden uns in einem anderen Land wieder, dass zwar irgendwie auch Nicaragua ist und dann doch wieder gar nicht.
Die Mehrheit der Leute spricht Spanisch als ihre erste Fremdsprache, ansonsten indigene Sprachen wie Miskito, Rama oder Sumo oder den Karibik-Slang Creol, einen Mix aus Englisch, Spanisch und Miskito.
Um Bluefields leben die Menschen vom Fischfang, ansonsten gibt es noch Massen von Kokusnuessen und Bananen und dann ist das landwirtschaftliche Angebot der Region auch schon am Ende.
Zu Laras und meiner Freude dominiert die Kokusnuss nicht nur den Export der Region, sondern auch deren Speisekarte.
Kokusnussmilch, die nicht wie faelschlich angenommen das Wasser der Kokusnuss, sondern die aus ihrem Fleisch gewonnene Fluessigkeit ist, findet sich in nahezu allem, was konsumiert wird: Brot, Gallo Pinto, Ruehrei, Sossen, Suppen, Getraenke.

Wieder rehabilitiert machten wir uns am Dienstag Nachmittag auf zum Hafen, um uns zu erkundigen, wann am kommenden Tag das Schiff nach Corn Island losfuehre.
Wir planten Silvetser am Strand der Karibik-Insel mit all den anderen Bielefeldern, die sich bereits dort eingefunden hatten.
Doch dann grosse Enttaeuschung: bis Montag dem 5. Januar fuehre kein Schiff, tote Hose eueber die Feiertage, war die Auskunft der Kuestenwache.
Kurzer Frust, Trauer, Verwuenschungen und dann : neue Plaene schmieden!
Nach einem Blick in den Reisefuehrer fiel unsere Entscheidung auf Pearl Lagoon.
Nach einem netten Abend in Bluefields Kneipen und Reggae-Clubs ( die ganze Costa lauscht Jamaica), ging es am Mittwoch Morgen wieder auf zu neuen Ufern und einem unbekannten Ort.

War uns in Bluefields der grosse Anteil dunkelhaeutiger Bevoelkerung schon aufgefallen, so erblickten wir in Pearl Lagoon so gut wie niemanden, der nicht dunkelhaeutig war.
Wir mieteten uns in einer netten Pension ein, deren Eigentuemer uns jeden Morgen mit Liebe guten Kaffe zubereiteten (hier und dort sehr selten) und uns mit Reise-Tipps versorgten.
Zu Fuss machten wir uns zum naechstgelegen schoenen Strand auf, wurde von einem Pickup aufgelesen und verbrachten unseren ersten entspannten Strand- und Badetag.
Urlaub im Paradies!





Auf dem Rueckweg zur Pension liefen wir durch einige Kommunen und bekamen zu sehen, wie die Leute dort so leben. Es ist nicht unbedingt weniger arm, als wir es von hier gewoehnt sind, doch strahlten die Doerfer irgendwie eine Ruhe und die Leute eine Unbeschwertheit aus, dass es uns schon idyllisch vorkam.
Abgeschiedenheit von der grossen Welt hat wohl auch sein Gutes.

Zwischen den Doerfern erstreckte sich ein Weite und die Sumpflandschaft in der Abendsonne bot ein schoenes Bild.


So, nun bin ich noch nicht einmal bei der Haelfte meines Reisebricht angekommen, doch meine Augen brauchen ein Computerpause. Morgen werde ich schon wieder arbeiten, aber wohl noch Zeit finden, meinen Bericht fortzusetzen.
Danke fuer alle Weihnachtspost, die ich groesstenteils erst gestern in Empfang nehmen konnte.
Geniesst das verschneite Bielefeld oder jede andere Landschaft, wo immer ihr auch seit.
Frohes Neues 2009!
Wir sehen uns in diesem Jahr, bis zu Costa Atlantica Teil2,
Lena

Montag, 22. Dezember 2008

Ortswechsel: Guatemala

Nach einer Woche reisen bin ich nun wieder zu Hause in Estelí.
Zusammen mit Lara und Jannik war ich eine Woche in Guatemala unterwegs, doch am besten fange ich ganz von vorne an...

Am Sonntag, dem 14. Dezember setzten wir uns um vier Uhr morgens in den Reisebus, der uns innerhalb von 14 Stunden durch Honduras und El Salvador bis nach Guatemalastadt. Entgegen von zahlreichen Warnungen von Kollegen, Freunden und Gastverwandten, wurden wir weder ueberfallen, ausgeraubt noch erstochen... welch ein Glueck!
Von Guatemalastadt ging´s direkt nach Antigua, wo wir herzlich von den dort arbeitenden Bielefelder Freiwilligen empfangen wurden.
Nach einem leckeren Abendessen und dem ersten Erfahrungsaustausch fielen wir muede ins Bett. Am naechsten Morgen bat sich uns aus dem Schlafzimmerfenster ein wunderbarer Blick auf einen der drei Vulkane die Antigua einrahmen.
Am Vormittag erkundeten wir mit Timo die Stadt und genossen den Blick ueber die Stadt bgzyei einer Tasse Kaffee.

Am Mittag nahmen wir einen Shuttlebus zum drei Stunden entfernten Lago Atitlán (See). Der Blick aus dem Bus war wunderschoen - vereinzelte Doerfer in teils karger Berglandschaft.
Am See angekommen wurde diser Ausblick noch getoppt.
Mit einem ziemlich ueberladenen Boot ueberquerten wir den See, um nach San Pedro zu gelangen, wo wir die beiden naechsten Tage verbringen sollten.

San Pedro stellte sich als Anziehungspunkt fuer Hippies aller Welt heraus. In einer Gasse reihte sich Bar and Bar, es wurden alternative Massagen und Yoga angeboten.
Die andere Seite des kleinen Ortes, war das teils noch traditionelle Leben der Fischer. Die Frauen wuschen im See und trugen kunstvoll gewebte Trachten.

Am zweiten Tag am See mieteten wir uns Kayaks und paddelten zu einsamen Strand, wo wir den Vormittag verbrachten. Paradiesisch!
Jannik und Lara ausnahmsweise vorneweg ;-)

Am kommenden Morgen ging es zurueck nach Antigua von wo wir uns am Abend mit dem Nachtbus in den Norden Guatemalas aufmachten, um die Hauptstadt der Mayas zu erkunden: Tikal

Nach einer sehr ungemuetlichem Nacht in der letzten Sitzreihe, neben gesprungenem Fenster kamen wir unausgeschlafen in Tikal an und verbrachten so den onehin verregneten Morgen im Hotel. Am Nachmittag machten wir uns auf in den Nationalpark und bekamen zum ersten Mal die beeindruckenden Pyramiden zu sehen.

Nachdem wir bereits einige Zeit auf einer Pyramide den Sonnenuntergang beobachtet hatten, erklomm aufeinmal eine Gruppe von sechs bewaffneten Polizisten, den Ausguck.
Irgendwie kamen wir auf eine witzige Idee, ich fragte schliesslich und so entstand das folgende spezielle Foto:
Am Freitag machten wir eine Fuehrung und erfuhren so mehr zu den Hintergruenden der imposanten Bauwerke. Am Abend ging´s wieder zurueck nach Flores und ueber Nacht nach Antigua, wo wir mit den anderen Freiwilligen unsere wunderbare erste Urlaubswoche ausklingen liessen.

Euch alle Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch!

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Es ist zehn vor fuenf Uhr morgens. Im Licht der Strassenlaternen fahre ich auf meinem Fahrrad zur Arbeit. Noch nicht einmal die Marktleute haben angefangen ihre Staende aufzubauen, nur die Nachtwaechter schleichen mit ihren Maschinengewehren um die Banken und grossen Geschaefte.
Um fuenf Uhr erreiche ich meine Arbeitsstelle, einige Kollegen sind schon da, einige Minuten spaeter kommt der Bus voller Kindern, mit denen wir heute zum Jahresende einen Ausflug machen. Es geht nach Leon, einst Hauptstadt Nicaraguas, heute Kulturzentrum im Kolonialstil.
Nach dreieinhalb Stunden Fahrt auf einer nahezu unbefahrbaren Strasse kommen wir in Leon an.
Wir besuchen das Geburtshaus Ruben Darios (lesenswerter nicaraguanischer Dichter), eine Kathedrale, ein Kunstmuseum und ehemalige Folterkammern aus Somozas Zeiten, die heute Legendenfiguren Nicaraguas austellen.



Viele der Kinder betreten zum ersten Mal eine grosse Kathedrale, ein Museum und essen zum ersten Mal in einem Restaurant.
Wer muede ist, legt sich mitten in der Kathedrale auf den Boden. Die Reste des Mittagessens warden selbstverstaendlich eingepackt und mitgenommen. Das Huehnerbein in die Serviette und die Cola in eine Plastiktuete.
Abends kehre ich muede nach Estelí zurueck, doch Zeit zum Schlafen bleibt nicht viel, denn es wird ein schwedischer Freiwilliger verabschiedet und am naechsten Morgen heist es wieder frueh aufstehen, denn es geht auf den naechsten Ausflug mit dem ganzen Kollegium.
Wir besichtigen ein kleines Museum mit antiken Vasen, den Volkan Masaya, eine wunderschoene Lagune, den wunderbar lebendigen und billigen Markt, den nationalen Zoo und beschliessen die Tour mit einem Bier in einer der vielen Bars der zweitaeltesten Stadt Nicaraguas: Granada.



















(links) Meine Kollegin Aracelly und ich auf dem Volkan Masaya, (rechts) Papagei im Zoo




pao, traditionelles Gericht der Region um Masaya:
drei verschiedene Sorten Kochbananes (platano),
yuca (Stamm der Palme) und Rindfleisch
im Bananenblatt serviert
Suesigkeiten auf dem Markt, mhh..













Montag, 10. November 2008

Isla de Ometepe

Nach fuenf Stunden in stickigen Bussen und auf staubigen Strassen kann ich vom Rand des Sees aus endlich den maechtigen Vulkan auf der gegenueberliegenden Insel entdecken.
Nach einer Stunde Faehrfahrt betrete ich zusammen mit Verena, Larissa, Lara, Till, Sam und Julián (kolumbischer Austausch-Kuenstler bei Funarte) den Boden der Insel.
Unseren ersten Tag verbringen wir in einer ruhigen Bucht, gehen baden und liegen am Strand.




Feststellung: durch die starken Regenfaelle des vergangen Monats ist so gut wie nichts vom im Reisefueherer angepriesenen Strand mehr uebrig. Alles ist ueberflutet. Das stoert jedoch keinen grossen Geist, zwei Meter Strandbreite genuegen auch.
Am Abend wir trotz der "días secos" feinster nicaraguanischer Rum mit echter nordamerikanischer Cola bei Sonnenuntergang am See genossen.

(Das Foto ist nicht retuschiert und gibt die realen Lichtverhaeltnisse wieder. :) )

Am naechsten Tag kann im Morgengrauen gebadet oder bis mittags geschlafen werden, je nach Geschmack. Dann geht es zur anderen Seite der Insel.
Auf dem Weg zum "ojo de agua" (Auge des Wassers), einer thermalen Quelle (?) treffen wir zufaellig andere aus Deutschland bekannte Freiwillige im Bus.
Am naechsten Tag heisst es frieh aufstehen, denn Till, Sam, Verena und ich machen uns auf den Vulkan Concepción zu besteigen, der rest der Gruppe legt noch einen Strandtag ein.
Der Aufstieg ist schweisstreibend und unser Reisefueherer rennt den steilen hang foermlich hoch. Er hat nach einer Weile doch Einsicht mit uns und es bleibt Zeit fuer Verschnaufpausen und Fotos schiessen. Der tropische Wald bietet Schatten und eine wunderschoene Pflanzenwelt. Nach drei Stunden erreichen wir unseren Zielpunkt in 1100 Metern Hoehe. Der Rest des Vulkans wird con den Reiseleitern aus Sicherheitsgruenden nicht bestiegen, sowohl wegen der Gase als auch wegen des Geroells. Uns bietet sich ein super Ausblick auf die Insel und natuerlich auf die Spitze des vulkans. Geschafft!

Beim Abstieg durch den Wald bekommen wir dessen Bewohner nicht nur zu hoeren sondern auch zu sehen. Affenmaenchen lauthals gurrend, Affenweibchen mit ihrem Nachwuchs auf dem Ruecken. Ich haette sie stundenlang beobachten koennen, aber unserer Reisefueher wollte waehlen gehen...
Gestern Abend gingen nach dem Wahlsieg der Sandinisten auf Ometepe noch auf die Strassen und fuhren hupend und fahnenschwenkend durch die Stadt.
Heute ging es leider zurueck, wir alle waeren noch gerne laenger da geblieben.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Nur noch 9 Monate (oder schon 3 Monate rum)!






Beim Blick auf das Datum meines letzten Eintrags stellte ich fest, dass ich doch schon eine Weile nichts von mir hoeren lassen habe. Allerdings muss ich entschuldigend dazu sagen, dass ich telefonischen und e-Mail-Kontakt zu einigen Daheimgebliebenen und Verreisten hatte.



In der vergangen Woche ist schon wieder zuviel passiert, als dass ich von allem detailliert berichten koennte, sodass ich mir lieber Einzelenes herausnehme.




Rechts ein Foto vom samstaeglichen Malworkshop im Stadtteil Oscar Gámez

Am Donnerstag ging es wie jeden zweiten Donnerstag fuer mich und meine Kollege in Herrgottsfruehe um 4.45 Uhr los nach Managua.

An diesem Donnerstag hatten wir das erste Mal genuegend Platz im Kleinbus, um uns bequem hinsetzen zu koennen, da alle jugendlichen Teilzeitmitarbeiter gerade in der Klausurenphase stecken.

Diese Gegenbenheite fuehrte auch dazu, dass ich das erste Mal meine eigene Kindergruppe zugeteilt bekam.


Das Thema desTages war "Legenden und Mythen" und so sprach ich mit den 3 bis 7-Jaehrigen ueber Zwerge/Kobolde und als ihnen "Los duendes de la Pierda de Cuapa" (Die Zwerge des Felsens con Cuapa) vor.

Nahezu alle Kinder waren davon ueberzeugt schon mal einen Zwerg/ Kobold gesehen zu habenund konnten mir diesen auch ganz genau beschreiben. Ein Maedchen meinte, in Nicaragua gaebe es keine Kobolde, aber in anderen Laendern schon.

Zum Schluss konnte ich dann doch alle davon ueberzeugen, dass es in der Realitaet keine Kobolde gibt.

Meine Sorge, die Kinder verstuenden mich vielleicht nicht, bestaetigte sich zum Glueck nicht und es machte wirklich Spass nun auch thematisch mit den Kindern arbeiten zu koennen.


Als ich das Bild eines Kindes nach draussen zum Trocknen brachte, streifte ich den Aermel eines Maedchens meiner Gruppe.

Draussen angekommen, kam eine ihrer Freundinnen ganz aufgeregt auf mich zu, ich haette das t-Shirt ihrer Freundin dreckig gemacht.

Normalerweise haben die Kinder Kleidung zum Malen an, deshalb hatte ich mir nichts dabei gedacht. Nun erklaerte mir das Maedchen sehr bedrueckt und veraengstigt, dass es sich um ein gutes T-Shirt handle und ihre Mutter sie dafuer zu Hause schlaege.

Ich versuchte den Fleck herauszubekommen, doch bei Akrylfarben ist da nichts zu machen.

Ich fuehlte mich schlecht und schuldig und haette das Maedchen am liebsten nach Hause begleitet, um sie vor ihrer Mutter zu schuetzen.

Irgendwann fragte ich sie., ob ihre Mutter lesen koenne und schrieb dann eine kleine Nachricht.

Zwischendurch vergisst man bei all den positiven Erlebnissen, das die Themen ueber die wir mit den Kindern sprechen (haeusliche Gewalt, sexueller Missbrauch, ...) Teil ihren Alltags sind.

Mit meinen Kollegen hatte ich auf der Rueckfahrt nach Estelí aber wieder richtig Spass, sie komme auf die verruecktesten Ideen und wenn jemand durch das Bulli-Fenster reinschaute, daechte er wahrscheinlich, es handle sich um eine Gruppe pubertierender Jugendlicher, die da Eiswuerfel in das T-Shirt des Vordermanns steckten und sich vor Lachen den Bauch hielten.

Aber nein, ich bin die Juengste der ganzen Truppe, die Aeltesten sind 29.


Kleiner Sprung:

Gestern Abend klopfte es bei mir an der Tuer und draussen Stand Laisi, die zusammen mit ihrer Schwester das Zimmer neben meinem gemietet hat.

Sie ist 17, ihre Schwester 14. Sie gehen hier in Estelí zur Schule, kommen eigentlich aus einer Stadt weiter im Norden. Ihr Vater wohnt in Honduras, ihre Mutter hat einen neuen Mann. Soweit mein Informationsstand bis gestern Abend.

Anfang letzter Woche hatten sie mich schon gefragt, ob ich ihnen die Miete fuer ihr Zimme rleihen koenne, da ihr Vater noch kein Geld geschickt hatte. Ich lehnte ab, da ich keine angehende Freundschaft mit Geld verderben wollte.

Gestern Abend nun bat mich Laisi um 100 Cordoba (3,30 Euro) fuer die Fahrt nach San Juan, wo sie Geld von ihrem Opa erhalten sollte.

Sie erzaehlte mir nach einigen Nachfragen meinerseits, dass ihre Mutter sie und ihre Schwester nicht mehr zur Familie zaehlte, da sie eine neue hat und ihnen so auch kein Geld gibt. Ihr Vater ist arbeitslos und hat dementsprechend auch kein Geld, hier gitb es kein Arbeitslosengeld.

Seitdem sie mich um Geld fuer die Miete gebeten hatten, hatten sie nicht nur kein Geld fuer die Miete, sondern ueberhauptkein Geld.

Sie haben sich seit zwei Wochen von ein bisschen Hafer und Wasser ernaehrt und das auch noch in der Klausurenphase.

Ich war geschockt nichts davon mitbekommen zu haben, fuehlte mich schuldig ihnen das Geld verweigert zu haben.

Ich gab ihr die 100 Cordoba und erzaehlte meiner Gastfamilie von ihrer Situation worauf sie ihr etwas zu Essen gaben.



Nun noch etwas Positives:


Ich habe mittlerweile noch ein paar Leute zum Musik machen gefunden. Ronny (mit der Strick-Kappe) spielt Gitarre, ein bisschen Saxophone und singt und fast alle seine Freunde spielen auch Gitarre. da das mit dem Ausleihen der Gitarre hier bei Funarte etwas kompliziert geworden ist, leiht er mir jetzt seine alte. Gestern haben wir neue Saiten drauf gemacht und jetzt kann ich ueben. Ausserdem habe ich mir ein paar nicaraguanische Lieder von ihm kopiert und so



Morgen beim Musikunterricht mit den Kindern im barrio Omar Torrijos wohl schon ein bisschen mitsingen.



Lasst es euch im verregneten Deutschland gutgehen, hier regnet es auch ordentlich, aber es ist verhaeltnismaessig warm :)

Montag, 13. Oktober 2008

Beim Karnevalsumzug der Schule meiner Gastschwestern, einer katholischen Privatschule, regnete es zu Anfang in Stroemen und es sah ganz danach aus, als fiele das ganze ins Wasser, doch letztendlich marschierten wir doch 2 Stunden von der Schule zum Park (normal braucht man fuer diese Strecke 10 bis 15 Minuten). Alle Kinder waren verkleidet, meine kleine Gastschwetser natuerlich als Prinzessin, die Aeltere als Fee.
Es spielten die Marschkappelle der Schule und anderer Schulen aus anderen Staedten.

Am Samstag hiess es wie immer "frueh aufstehen" und los zur Arbeit. Daisy, meine aeltere Gastschwester kam mit zum Malworkshop, die Kleine nicht. Daisy sagte mir der Grund sei die Bruecke. Am vorherigen Samstag machte ich naemlich mit beiden die Erfahrung, dass sie totale Angst hatten die Bruecke ueber den Fluss zu Ueberqueren. Dazu muss man sagen, dass es hier zum Teil echt wackelnde Haengebruecken gibt, die so aussehen, als fielen sie jeden Moment in sich zusammen, doch die besagte Bruecke ist ziemlich neu und aus Beton.
Als ich meine Gastmutter spaeter auf das Verhalten der Maedchen ansprach, erklaerte sie mir, es waere das erste Mal, dass die Maedchen den Fluss nach dem Hurricane hier (2000) uberquerten.

Samstag Abend ging ich mit vier Kolleginnen tanzen . Wir hatten viel Spass und tanzten viel.
Heute mussten wir immer noch ueber einige Aktionen vom Samstag lachen.

Mittlerweile habe ich die Floeten aus Deutschland erhalten und meine kleine Gastschwester floetet gluecklich in der Gegend herum, am Ton muessen wir noch arbeiten ;-)

Heute und Morgen haben wir bei Funarte eine Fortbildung zum Thema "genero" (Denglisch: gender). Die Fortbildung ist super organisiert und echt interessant. Ich bin froh mittlerweile so viel Spanisch zu sprechen, dass ich etwas Sinnvolles in Gruppenarbeiten und Plenumsdiskussionen beitragen kann.
Das Thema erhaelt hier fuer mich, wie so viele andere Dinge einen ganz neuen Wert.

Seit letztem Wochenende wohnen noch zwei Nicaraguanerinnen bei uns. Sie sind ganz nett, wir haben uns schon ein bisschen unterhalten.

Wie geht es euch allen so? ... Hast pronto, Lena

PS: Das Bilder-laden hat mal wieder zu lange gedauert... beim naechsten Mal.